Aus dem geistlichen Minus zum geistlichen Plus

Zeugnishafte  Textauslegung über 2 Könige 4, 1-7

 

1 Und es schrie eine Frau unter den Frauen der Prophetenjünger zu Elisa und sprach: Dein Knecht, mein Mann, ist gestorben; und du weißt ja, dass dein Knecht den HERRN fürchtete. Nun kommt der Schuldherr und will meine beiden Kinder nehmen zu leibeigenen Knechten.
2 Elisa sprach zu ihr: Was soll ich dir tun? Sage mir, was hast du im Hause? Sie sprach: Deine Magd hat nichts im Hause als einen Krug Öl.
3 Er sprach: Geh hin und erbitte draußen von allen deinen Nachbarinnen leere Gefäße, aber nicht zu wenig, 4 und geh ins Haus und schließ die Tür zu hinter dir und deinen Söhnen und gieß in alle Gefäße; und wenn du sie gefüllt hast, so stelle sie beiseite.
5 Sie ging hin und schloss die Tür zu hinter sich und ihren Söhnen; diese brachten ihr die Gefäße herbei, und sie goss ein. 6 Und als die Gefäße voll waren, sprach sie zu ihrem Sohn: Reiche mir noch ein Gefäß her! Er sprach zu ihr: Es ist kein Gefäß mehr hier. Da stand das Öl.
7 Und sie kam und sagte es dem Mann Gottes an. Er sprach: Geh hin, verkaufe das Öl und bezahle deine Schulden; du aber und deine Söhne, nährt euch von dem Übrigen.

Fallen und wieder Aufstehen – Armutszeugnis bei Christen

Der obige Bibeltext ist mir als junger Christ zu einem Schlüsselerlebnis geworden. Ich hatte Jesus aufgenommen und freute mich der Vergebung meiner Sünden. Das änderte sich jedoch, je ernster ich bemüht war, Jesus konsequent zu gehorchen. In dieser Krisenphase bewegte sich mein Christsein zwischen Fallen und Aufstehen. Ich fasste gute Vorsätze, doch es gelang mir nicht, sie zu erfüllen. Erst später erfuhr ich eine Wende aus dem geistlichen Minus zum geistlichen Plus.

Und damit wären wir bei der verarmten Witwe in unserem Text. Sie durfte aus ihrem familiären und finanziellen Bankrott zu einem Leben im Überfluss finden. Ähnlich erging es mir während meines bitteren Herzens Bankrotts. Überraschend entdeckte ich, welch  herrlichen Reichtum ich eigentlich in Jesus Christus besitze. Das hat meine Einstellung zur Bibel, zum Christsein – und zu mir selber – erfreulich verändert.
An Hand der heutigen Geschichte möchte ich Ihnen jetzt  gleichnishaft von meiner eigenen „Öl-Krug-Erfahrung“ berichten. Denn sie hat mich aus dem Manko-Christsein zum beglückenden Christsein im Überfluss finden lassen. Einige meiner neuen Einsichten möchte ich jetzt vom Bibeltext her mit Ihnen teilen:

  1. Einsicht: Ich bin Gott zum Gehorsam verpflichtet.

Diese heilsame Einsicht entdeckte ich in Vers1: „Und es schrie eine Frau unter den Frauen der Prophetenjünger zu Elisa“, heißt es dort. Der Grund ihrer Aufregung war, dass die verarmte Witwe den Anspruch des Kreditgebers ernst nahm. Ihr war klar: von Rechts wegen müsste ich die fälligen Raten samt den Zinsen bezahlen. Und das wollte sie auch; aber sie vermochte es nicht.
Als junger Christ war ich versucht, es mir im Blick auf gewisse Sünden leichter zu machen. Ich wusste zwar um Gottes Anspruch, als sein Kind heilig leben zu sollen. Doch ich tendierte zur beruhigenden Meinung, dass Christen vom Gesetz befreit seien, weil sie die vergebende Gnade ja hätten. Die Bemerkung eines Verkehrspolizisten gegen Mitternacht schreckte mich auf. Auf meinen Einwand, es sei doch kein Auto zu dieser Stunde in Sicht, fragte er mich: „Wo steht geschrieben, dass die Straßenverkehrsordnung um Mitternacht nicht mehr gilt?
Nun wusste ich, wie Gott über mein Flirten mit gewissen Lieblingssünden als sein Kind denkt.
Doch mit meinem Entschluss, jede erkannte Sünde zu meiden, war der Kampf gegen das Böse noch nicht gewonnen. Ganz im Gegenteil:

  1. Einsicht war: Ich bin ein Sklave des Bösen

Was die arme Witwe dem Propheten Elisa bekennt, klingt wie ein Hilfeschrei über dem Abgrund: „Der Schuldherr“, so ruft sie verzweifelt, „will meine beiden Kinder nehmen zu leibeigenen Knechten“. Was ihr bevorstand, das war purer Sklavendienst. Nicht mehr tun dürfen, was man selbst will und gern täte, sondern leibeigen sein – immer nur gehorchen zu müssen: Das wäre doch „die Hölle auf Erden“!? Ähnlich beängstigend erging es mir, als ich gewisse Unarten – eigentlich Sünden – ablegen wollte. Ich denke dabei an den ererbten Jähzorn, an meine unreinen Gedanken oder manchmal auch – Lügen. Verzweifelt kämpfte ich zumeist erfolglos dagegen an. War ich denn als Christ noch – wie Paulus – „unter die Sünde verkauft“?

  1. Einsicht: Ich unterschätze, was ich in Jesus besitze

Elisa war bereit, der armen Witwe zu helfen. Doch er knüpfte bei dem an, was sie noch besaß. Er fragte sie: „Was hast du im Hause?“ Sie antwortete resigniert: „Deine Magd hat nichts“. Doch dann fiel ihr ein, dass sie noch einen Ölkrug hatte. Aber was war das bisschen Öl darin schon? Eigentlich hatte sie nichts, um ihre Schuld zu bezahlen. Umso mehr überraschte sie der seltsame Befehl des Propheten.
Gehe hin“, mutete er ihr zu, „und erbitte draußen  von allen Nachbarinnen leere Gefäße, aber nicht zu wenig, und gehe ins Haus, schließ die Tür zu hinter dir und gieß in alle Gefäße“. Die Frau war zunächst irritiert. Doch dann entschied sie sich, Elisa zu glauben. Auf Grund seiner Worte wollte sie glauben, dass sie reicher war, als sie es dachte. Sie wollte glauben, dass die wenigen Tropfen in ihrem Ölkrug reichten, um viele leere Gefäße, Töpfe, Kannen und auch Wannen zu füllen.
Auch ich entschloss mich –  wie die Witwe -, als Habenichts Gottes Wort zu vertrauen. Wie sie, so hatte auch ich noch etwas im Haus. Schließlich hatte ich ja Jesus in mein Herz aufgenommen. Somit besaß auch ich wohl noch einige Tropfen Öl, dachte ich. Doch der Prophet erwartete von der Witwe und von mir, an genügend Öl, also an die „Fülle“ zu glauben. Plötzlich ging mir auf, dass ich in und mit Jesus „die Fülle der Gottheit“ ja schon besaß. Bei dieser Einsicht begann ich mich zu schämen. Ich hatte viel zu lange an einen sehr kleinen Jesus geglaubt. Ich unterschätzte, dass ich in Jesus alles, was ich brauche, ja noch viel mehr, bereits im Glauben besitze (Kol 2,9-10; Rö 8,32).

  1. Einsicht: Gott erwartet, im Glauben zu handeln.

Die Geschichte bleibt spannend. Schon beim Besorgen  der leeren Gefäße galt es, mutig zu glauben. Manche Nachbarn waren besorgt, ob bei denen da noch alles stimmte. Doch Elisa hatte ihnen nicht gesagt: Wartet, bis euer Krug überläuft und danach handelt entsprechend. Vielmehr  befahl er ihnen, mit einem scheinbar leeren Gefäß viele leere Gefäße zu füllen. Folglich sollten sie nicht warten, bis ein Wunder geschah. Ohne etwas zu sehen, also „im Glauben“, sollten mit dem Einfüllen sofort beginnen.

Erstaunlicherweise vertraute die Frau dem Wort des Propheten. Und ihr Glaube wurde zur Tat – ohne einen „Glaubensbeweis“ zu empfangen: “Sie ging hin und tat so und schloss die Tür hinter sich und ihren Söhnen. Diese brachten ihr die Gefäße herbei und sie – goss ein“. Es mag sein, dass die Witwe vorweg einen scheuen Blick in den noch leeren Krug geworfen hatte. Vielleicht zögert sie, etwas zu tun, wodurch sie sich schließlich blamierte. Doch dann siegte ihr Vertrauen  auf das Wort des Propheten. Wider alle Vernunft ergriff sie den fast leeren Krug und begann mutig einzugießen. Und das Öl begann – still und füllig zu fließen.

Persönlich, stellte ich fest, dass es hilfreich  ist, Gott im Gebet für die vorhandene Fülle vorweg zu danken. Der Bibeltext lehrt uns – wie später auch Jesus Mt 6,6  -, dass leere Krüge in der „Gebetskammer“ gefüllt werden können. Viel zu spät wurde mir klar, dass ich seit der Bekehrung  einen unerschöpflich großen Reichtum besaß.
Der empfangene Heilige Geist reichte keineswegs nur für meinen eigenen Bedarf.
Es bietet sich an, die leeren Gefäße mit dem Liebesbedarf meiner Familie, der Nachbarn, Kollegen, Kritiker oder gar Feinde zu vergleichen. Wie bei der armen Witwe reicht mein Vorrat  aus, um alle leeren Gefäße zu füllen. Wau!  Welch ein Grund zum Freuen, Jubeln und Danken! – Aber auch ein Grund, weitere leere Gefäße zu sammeln! Und deren gibt es um uns her wahrlich genug. Aber nur her damit! Jeder wahre Christ besitzt mehr als genug, um sie zu füllen.
Ich gestehe, dass ich an diesem Punkt – trotz der neuen Einsicht – noch viel zu kleingläubig und daher zu untätig bin. Das soll sich ändern!

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