Kirchliche Sakramentspraxis entmythologisieren!

Disputier- Impuls:
Kirchliche Sakramentspraxis entmythologisieren!

Disputier-These: Kirchliche Sakramentslehre – Irrweg zum Himmel?! (unten) 

Gerne denke ich an meinen Dienst  als Evangelist der Deutschen Zeltmission in den 1960ger und 1970ger Jahren zurück. Der Theologe Dr. Gerhard Bergmann und später auch Peter Hahne waren u. a. meine Kollegen. Dr. Bergmanns 1963  erschienenes Buch: Alarm um die Bibel erregte  damals großes Aufsehen  über die dreist gewordene Bibelkritik. Er attackierte darin primär die noch wenig bekannte Entmythologisierungs-Theorie von Prof. Rudolf Bultmann. Als Reaktion darauf entstand (1966) die jetzt noch aktive Bekenntnisbewegung  Kein anderes Evangelium , sowie später weitere Bekenntnis-Initiativen. Als z. Zt. hoch aktuell gilt das Netzwerk Bibel und Bekenntnis  mit Pfarrer Ulrich Parzany.

Was diese streitbaren  Initiativen gemeinsam haben, ist eine polemisch abwehrende Grundhaltung gegenüber einer liberal konditionierten amtskirchlichen Autorität. Diese wird prinzipiell jedoch nicht infrage gestellt, sondern trotz alledem akzeptiert. Man protestiert  somit  gegen die amtskirchlichen Missstände, ist aber unfähig, bzw. nicht offensiv genug, um die bedrohliche Situation zu verändern. Ganz im Gegenteil. Inzwischen hat der bibelkritische Ungeist einige bislang bibeltreue Ausbildungsstätten bibelkritisch zu „vergiften“ vermocht.
Ich möchte die Sachlage der bibel- und zugleich kirchentreuen Christen mit der Gewaltherrschaft der Midianiter über Gideon und die Israeliten vergleichen.  Tapfere Männer wie Gideon mussten ihren Ernteertrag vor den sie beherrschenden Midianitern  förmlich verstecken (Ri 6,11). Und doch ordneten sie sich als militärisch Unterlegene dem geltenden Macht-Anspruch ungern, aber „gehorsam“ unter.

Für die freiwillige Unterordnung bibeltreuer Christen unter amtskirchliche Kompetenzansprüche sei nur ein aktuelles Beispiel genannt. Und dabei kommen wir auf die allgemein akzeptierte  Sakramentspraxis zu sprechen:
Amtskirchlicherseits ist die Verwaltung  und Ausübung der Sakramente, Taufe und Abendmahl, nur urkundlich ordinierten Personen gestattet. Landeskirchliche Prediger etwa, die in ihren Gemeinschaften das Abendmahl feiern wollten, haben sich freiwillig einer speziellen kirchlichen Ordinationsprozedur unterzogen, um die Erlaubnis dafür zu erhalten. Umgekehrt ist für ordinierte Pfarrer die vorgeschriebene Sakramentsverwaltung unaufhebbare Pflicht. Sobald sich jemand dieser Amtspflicht entzieht, wird er seines Pfarramtes enthoben.
Diese Vorgehensweise ist kirchlicherseits absolut legitim.

Damit aber sind folgende grundsätzliche Fragen noch ungeklärt – und bleiben klärungsbedürftig:

Wurden Taufe und Abendmahl in den urchristlichen Gemeinden bereits im Sinne der amtskirchlichen Sakramentspraxis ausgeübt?

  1. Gibt es im Neuen Testament irgendwelche Hinweise, Taufe und Abendmahl als Sakramente zu praktizieren?
  2. Ist die kirchliche Sakramentspraxis nicht eine freie Erfindung des katholischen Klerus gewesen?
  3. Warum hat Martin Luther trotz der Verwerfung weiterer katholischer Sakramente,  Taufe und Abendmahl dennoch nach Inhalt und Form übernommen?
  4. Wurden die „Heiligen Sakramente“ nicht fälschlich mit dem Mythos: „*Beim Vollzug bedingungslos wirksam“ umgeben? (*genauer im Thesen-Artikel)

6. Ist es nicht hohe Zeit, statt defensiv über die „Entmythologisierung der Bibel“ jetzt offensiv über die „Entmythologisierung  der biblisch fraglichen Sakraments-Theorie“ und deren Folgen zu disputieren? (wie Luther und Eck in Leipzig)

  1. Brächte die damit ausgelöste Scheidung der Geister nicht die – durch den Entscheidungsverlust bei der Babytaufe bedingte – sakramentale Entmündigungs-Praxis ins Wanken, um einer entscheidungsbedingten, selbstbewusst-ehrlichen und daher opferbereiten Kirchenmitgliedschaft mit einem ehrlichen Finanzierungsprinzip Platz zu machen?

Wie die Fragen ahnen lassen, ist für eine konsequente „Entmythologisierung der Sakramentspraxis“ ein relativ hoher Preis zu bezahlen. Und wieder ist genau hier die ganz persönliche, ehrliche Entscheidung gefragt. Entsprechend dieser wird dann auch pro oder kontra argumentiert.

Als Basis für die überfällige Disputation empfehle ich, meine folgende Disputier These: aufmerksam zu studieren.

Kirchliche Sakraments-Praxis  –  Irrweg zum Himmel

Auszug aus dem Buch: „Lebens-Reformation – Dynamik im Protestantismus“
zum Thema: Von der „Babylonischen Gefangenschaft“ christlicher Kirchen
von Herbert Masuch

…  (komplett nachzulesen in meinem Buch: Lebensreformation... ab Seite 67)

Symptome der Babylonischen Gefangenschaft

Ein tragisches Merkmal der Babylonischen Gefangenschaft besteht darin, dass die Christen geistlich erblinden. Sie beginnen das sichtbare Erscheinungsbild – die Formen, die Symbole, die Kunstwerke, den Glanz und den Prunk – zu überschätzen. Sie begnügen sich mit den Äußerlichkeiten. Wenn man die geistliche Gefangenschaft der vorreformatorischen Papstkirche skizzieren will, entdeckt man die Symptome dafür vor allem in drei Bereichen.

Die Kirche war gefangen in der

  • V i s u a l i s i e r u n g
  • R i t u a l i s i e r u n g
  • S a k r a m e n t a l i s i e r u n g.

Die Visualisierung zeigte sich darin, dass in den Gotteshäusern die Dinge in den Vordergrund traten. Die Dome und Kathedralen wurden mit Schätzen, die bewundert wurden, zunehmend überladen. Es waren Dinge, die man sehen, also sinnlich wahrnehmen kann. Gottes Wort aber will die Herzen erreichen. Doch durch imposante Statuen, vergoldete Bilder, kunstvolle Verglasung, hohe Marmorsäulen und prunkende Altäre werden höchstens fromme Gefühle geweckt. Kleider, Mäntel, Talare, Hüte, Kreuze und würdige Gebärden beeindrucken zwar rein äußerlich. Der Prunk lenkt aber vom gepredigten Wortzeugnis ab. Man bleibt im Sichtbaren stecken. Durch übermäßige Visualisierung erreichte die Papstkirche das genaue Gegenteil von dem, was geschehen sollte: Das Verlangen des Herzens, Gott zu erleben, wurde nicht gestillt, sondern überlagert. Die überzogene Visualisierung ließ  kaum noch Spielraum, vom Heiligen Geist berührt und erleuchtet zu werden.  Das Herz blieb leer. Babylon! – Gefangen in Äußerlichkeiten!

Die Ritualisierung des geistlichen Geschehens in der Papstkirche markiert noch stärker den Erdrutsch von innen nach außen. Die Aufmerksamkeit der versammelten Gemeinde konzentrierte sich während der Gottesdienste immer mehr auf die Vorgänge am Altar. Dort geschah etwas. Dort wurde immer schöner (?) und auffallender zelebriert, d.h. geläutet, geweihräuchert, gebetet, sich verbeugt und gesungen. Man war gerührt, beeindruckt, vielleicht auch fasziniert – vom menschlich Machbaren – von bloßen Äußerlichkeiten.  Und das Ergebnis? Herz und Geist blieben immer noch hungrig und leer.

Doch das Schlimmste war: dieser alttestamentliche Zeremonienkult sollte das Eigentliche, nämlich das geistliche Erleben ersetzen.  Gewiss, ab und zu wurden die Gläubigen beim liturgischen Zeremoniell selber aktiv. Sie durften aufstehen, sich verneigen und niederknien. Es war eingeplant und somit erlaubt, vorgegebene Texte zu beten oder zu singen. Doch damit ist der feststehende Ritus lediglich modifiziert worden. Es gab keinen Spielraum für persönliche Initiativen, für Impulse und Eingebungen durch den Heiligen Geist. Vielmehr wurde gelehrt, dass man durch bloße Teilnahme bei rituellen Handlungen Gott erlebte und diente (1 Kor 12-14).

Kein Laie durfte sich erkühnen zum Altar zu treten und zu sagen: So spricht der Herr!

Weil die Liturgien immer länger wurden, blieb für die Verkündigung des Wortes Gottes immer weniger Zeit. Die Evangelisierung wurde durch die Ritualisierung verdrängt und ersetzt. Das Evangelium wurde kaum mehr gehört, geglaubt und… daher auch nicht ausgelebt. Das allgemeine Priestertum geisterfüllter Christen blieb dabei auf der Strecke. Kein Laie durfte sich erkühnen zum Altar zu treten und zu sagen: So spricht der Herr! Man hätte ihn verhaftet, verurteilt und… vermutlich getötet. Eine Kirche in Gefangenschaft! – gefangen im Babylon der Äußerlichkeiten.

Die Sakramentalisierung der geistlichen Vorgänge,

wie Buße, Glaube und Wiedergeburt, verdrängte noch stärker den Heiligen Geist. Sein Wirken wurde gleichsam überflüssig. Die Kirche machte das alles auch ohne ihn – mit Hilfe der Sakramente. Taufe und Abendmahl wurden bald nicht mehr im urchristlichen Sinne als Glaubensäußerung bekehrter Menschen verstanden. Der Klerus funktionierte sie zu so genannten Gnadenmitteln um, die im Vollzug wirksam seien. In Meyers Enzyklopädischem Lexikon lässt sich nachlesen:

„Das Konzil in Trient (12. Jahrhundert) definierte die Sakramente als heilsnotwendige, wirksame Gnadenmittel; danach genügt der Glaube allein nicht. Der Wirkzusammenhang zwischen Sakrament und Gnade wird als der eines Opus operatum gesehen…“  Und zum Begriff Opus operatum [lat. = die vollzogene Handlung] wird erklärt: „…in der christlichen Theologie Bezeichnung für eine dogmatische Theorie, nach der die Gnaden vermittelnde Wirkung der Sakramente unabhängig von der Person des Spenders oder Empfängers allein durch den Vollzug („ex opere operato“) eintritt.“)

Solchen sakramentalen Missbrauch des Heilserlebens hat die Papstkirche zu einem System ausgebaut, auf Konzilien festgeschrieben und im Imperium des Heiligen Vaters konsequent praktiziert. Das alles ohne eine Basis in der Heiligen Schrift. Damit bekam der Klerus scheinbar das Wirken des Heiligen Geistes fest in den Griff. Alles, wonach suchende Menschen sich sehnten, konnte man ihnen jetzt durch sakramentale Handlungen auf mystisch-magische Weise übermitteln: Die Sündenvergebung, die Wiedergeburt und den Heiligen Geist. Gerettet und gerecht wurde man jetzt durch den Empfang der Sakramente und nicht mehr durch Herzens-Buße und Glauben.

Dadurch war das Christwerden sakramental vollziehbar und menschlich machbar geworden. Es geschehe  – so wurde gelehrt – auch dann, wenn man als Baby oder als Sterbender unfähig sei, sich bewusst für oder gegen Christus zu entscheiden.

Mit ihrer unbiblischen Sakramentslehre hat die Kirche den Menschen die Tür zum Himmel nicht aufgetan, sondern verschlossen. Dieser Rettungsmechanismus der Sakramente machte es überflüssig, ja verdächtig, Glauben weckend zu predigen und zur Umkehr zu rufen. Nach dem empfangenen Taufsakrament war es nicht mehr nötig zu fragen: „Was muss  ich tun, um gerettet zu werden?“ (Apg 16,30).  Man verließ  sich weithin darauf, getauft und damit ein Christ geworden zu sein. Dabei versäumte man es, Christus zu suchen und persönlich zu finden.

Es blieb nicht aus, dass aufrichtig Suchende – wie Luther – dennoch beunruhigt blieben, dass ihr Gewissen nach Gottes Barmherzigkeit schrie. Doch anstatt ihnen zu predigen: „Glaube an den Herrn Jesus Christus“ (Apg 16,32) unterwies man sie, noch mehr Gutes zu tun. Damit wurden sie statt zu Christus unter den Zwang des Gesetzes getrieben. Auch das Klosterwesen des Mittelalters war letztlich ein Versuch, durch verdienstliches Tun noch frommer zu werden. Durch noch mehr Leistung wollte man sein Gewissen – und Gott – mehr befriedigen. Doch alles, was man auf diesem Wege erreichte, waren Werke des Fleisches.Luther sagt dazu:
„Denn alle diese guten Werke… sind keine guten Werke, sondern Sünde und Irrtum, weil sie aus einem bösen Herzen kommen, dem die Gnade noch nicht geholfen hat. Solch ein Herz vermag durchaus nichts zu suchen als sich selbst…“

Da aber weder Sakramente noch eigene Werke die Gewissen stillten, griff man auf den Überschuss fremder Werke zurück (Heiligenkult). Weil auch das nicht reichte, sollte der Ablasshandel aus der Gewissensnot Abhilfe schaffen. Welche Schizophrenie!  Man besaß die sakramentale Heilssicherheit und dazu den Trost guter Werke. Dennoch aber blieb die Angst vor dem Fegefeuer, dominierte die quälende Unsicherheit, nagte die Furcht vor der Hölle!

Glaube kommt aus der Predigt (Rö 10,17)

Martin Luther hatte mit seiner Schrift: „Von der Babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ keineswegs übertrieben. Durch die Visualisierung war vom Allerheiligsten dieser Kirche, dem gekreuzigten und auferstandenen Christus, nur ein Schatten, ein bloßes Abbild, eine Erinnerung übrig geblieben.

Das gemalte, geschnitzte, gemeißelte oder gegossene Kreuz Jesu Christi erreichte nur die leiblichen Augen. Man sah einen toten Christus. Der lebendige, im Geist erfahrbare Christus blieb den Menschen verborgen. Denn:
Allein das gepredigte Wort vom Kreuz vermag die Herzensaugen zu öffnen.

Ebenso hatte sich gezeigt, dass die Ritualisierung des Gotterlebens eine Sackgasse war. Sie bietet nicht die notwendige Basis für lebendigen Glauben. Allein das verkündigte Evangelium führt zum Frieden mit Gott (Rö 5,1;10, 17).

Schließlich ist in der Papstkirche deutlich geworden, dass die Sakramentalisierung des Evangeliums die Menschen in eine falsche Sicherheit wiegt, Denn kein Sakrament bewirkt automatisch (oder gar magisch) die Gotteskindschaft oder Wiedergeburt, wie der Taufakt dies suggerierte – und bis heute nochsuggeriert. Auch Martin Luther blieb trotz der empfangenen Sakramente und Weihen ohne Frieden mit Gott. Aber durch den Glauben an das Evangelium wurde er gerecht, mit dem Geist Gottes erfüllt und widergeboren. Denn wer die Frohe Botschaft hört und bewusst annimmt, wird es konkret und gewiss erfahren:

„Das Evangelium von Jesus Christus  ist eine Kraft Gottes, die da errettet alle, die daran glauben “ (Rö 1,16).

 

[1] Mit den kaiserlichen Edikten von 311 und 313 durch Konstantin (306-337)

 

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